CHINA – IMMER NOCH EINE INVESTITION WERT?

Warum China?

China ist für immer mehr europäische Unternehmen ein strategisch wichtiger Markt. Es handelt sich jedoch um einen Markt der anfänglich, besonders für europäische klein- und mittelständische Unternehmen, einige Schwierigkeiten mit sich führen kann. Ein Markt, den man von Anfang an ernst nehmen muss, wenn man langzeitige Investitionen in diesem Land plant. Durch internationale und einheimische Unternehmen sind europäische Unternehmen in China einem harten Wettbewerb ausgesetzt. Denn gerade lokale Wettbewerber haben in puncto Markenbekanntheit, Marketing- und Vertriebsfähigkeiten sowie Produktqualität deutlich zugelegt. Um in China wettbewerbsfähig zu sein und zu bleiben, müssen europäische Unternehmen daher die Bedürfnisse lokaler Kunden besser verstehen und die eigenen Produkte und Dienstleistungen weiter differenzieren.

Ein einfacher Markt ist China jedoch nach wie vor nicht. Der Wettbewerb durch chinesische Unternehmen hat deutlich zugenommen und auch der Protektionismus vor Ort wächst. Als weitere Probleme wurden in der Erhebung unter anderem Bürokratie und Korruption genannt. Die größte Herausforderung sehen die bereits in China tätigen europäische Unternehmen jedoch im Mangel an qualifizierten Mitarbeitern, in der hohen Fluktuation und steigenden Personalkosten.

Bevor man in China investiert, sollte man sich daher ein realistisches Bild davon verschaffen wie die eigenen Produkte auf dem Inländischen Markt aufgenommen werden würden.

Warum sich Investitionen in China lohnen:

  • Produktionskosten nehmen ab;
  • bessere Lieferungszeiten auf dem internen Markt;
  • bessere und direkte Handhabung der Abwicklung von Kunden- und des Aftersale-Service;
  • direkte Anwesenheit auf dem Markt – Möglichkeit sich bekannt zu machen;
  • Interesse der Regierung ausländische „Qualitäts-Investoren“ zu unterstützen;
  • Herabsetzung der Zollsperren = Erhöhung der Möglichkeiten

Bevor man in China investiert sollte man jedoch folgende Aspekte in Erwägung ziehen:

  • die Wettbewerbsfähigkeit der chinesischen Unternehmen ist am wachsen;
  • ausländische Unternehmen stehen im Nachteil, was Beziehungen und Informationen anbelangt;
  • es bestehen Schwierigkeiten was den Schutz der Wettbewerbsrechte anbelangt;
  • die Kontrolle öffentlicher Behörden ist stärker was ausländische Investitionen, insbesondere in Punkto Umweltschutz, anbelangt;
  • es werden hochqualifizierte Investitionen gefördert und bevorzugt, Produktionen mit geringerem Wert wird hingegen der Eintritt erschwert;

China bietet ein weitreichendes Spektrum an Ortschaften an, die den Bedürfnissen verschiedener Investoren entsprechen könnten. Es sollte daher nicht nur Shanghai, Beijing, Hong Kong und die üblichen großen Ortschaften in Augenschein genommen werden. Dank des ausgebildeten Schnellzugsystems und die Direktverbindung mit den bekannten Hauptorten, bieten auch weniger bekannte Ortschaften wie Hangzhou, Suzhou, Wenzhou, usw., durchaus strategische Alternativen, insbesondere für kleine und mittelständige Unternehmen, zu den teureren Großindustrie-Gebieten.

Was die gesetzlichen Rahmenbedingungen in China anbelangt so bietet das Rechtssystem die Möglichkeit zwischen verschiedenen Gesellschaftsformen je nach Bereich, Investition und des erwählten Marktzugangs.

Wenn man den Markt ergründen möchte:
Ein Vertretungsbüro ist in der Regel die Form, die die meisten Unternehmen auswählen, um eine unkomplizierte Struktur, mit geringen Betriebskosten und mit einer schnellen Ingangsetzung des Betriebs zu genießen; auch wenn diese Form in den vergangen Jahren bevorzugt wurde ist sie jedoch heutzutage überholt, da sie die Werkstätigkeit des Unternehmens zu sehr bindet: einem Vertretungsbüro darf ausschließlich Förderungstätigkeiten ausüben, führt daher mehr Kosten Effektive Unternehmenstätigkeit mit sich. In den letzte Jahren hat sich die Kontrolle der Behörden in Bezug auf ausländische Vertretungsbüros verschärft, um verdeckte Handels- und Vertriebstätigkeiten dieser zu unterbinden.

Wenn man in China herstellen will:
Die sogenannten WFOE (Wholly Foreign Owned Enterprise), 100% ausländische Unternehmen, oder gemischte Unternehmen mit einem lokalen Partner, oder Joint Ventures (sowohl in der Form einer Equity Joint Venture oder einer Cooperative Joint Venture) sind die meist auserwählten Unternehmensstrukturen für alle die, die gänzlich oder teilweise ihre Produktion nach China verlegen wollen. Die Tendenz ist die, eine WFOE einer lokalen Partnerschaft zu bevorzugen. Es sei denn es besteht ein gesetzliche Vorschrift, die eine solche Partnerschaft vorsieht, der Partner verfügt über ein eigenes, gut ausgebildetes Vertriebsnetz, hat Zugang zu bestimmten Rohstoffen, hat eine bewehrte Marktposition oder ist Inhaber einer bekannten Produktmarke. Standortverlagerung der Herstellungstätigkeiten nach China wegen niedriger Produktionskosten ist immer weniger ein Grund für ausländische Unternehmen. Dies auch weil die Kosten in den letzten Jahren erheblich angestiegen sind.

Wenn man Gewerbetätigkeit ausführen möchte:
Handels- und Vertriebsgesellschaften, sowohl in der Form der WFOE als auch der JV, ist die seit 2004 eingeführte Option die von den meisten ausländischen Gesellschaften in Anspruch genommen wird. Solche Unternehmen werden auch als FICE (Foreign Invested Commercial Enterprises) bezeichnet und verschaffen in vielen Fällen Abhilfe für das eher schwache inländische Vertriebssystem. Außerdem verschafft ein Direktvertrieb nicht nur einen höheren Umsatz sondern hilft dem Unternehmen auch sich eine solide Marktposition zu verschaffen ohne den inländischen Wettbewerbsschwankungen ausgesetzt zu sein (beispielsweise durch Übergang des eigenen Vertreibers oder Handelsvertreters an die Konkurrenz).

Der Markt – China holt wieder auf
Erste Anzeichen für einen deutlichen Aufschwung in China gibt es bereits. Viele ausländische und chinesische Firmen verzeichneten im November und Dezember letzten Jahres höhere Gewinne: die Industrieproduktion steigt wieder, auch die Löhne werden 2013 weiter zulegen, sodass auch der Konsum anziehen dürfte.

Es werden auch zahlreiche Investitionen geplant: laut der Agentur New China werden dieses Jahr über 650 Milliarden Yuan (zirka 79 Milliarden Euro) zur Modernisierung und der Erweiterung der Zugverbindungen von der Regierung zur Verfügung gestellt werden. Die bereits 98.000 km langen Bahnstrecken (von denen 9.356 km Schnellzugverbindungen) sollen somit um weitere 5.200 km erweitert werden: bis 2020 soll das Schnellzugsystem auf 25.000km erhöht werden.

Welche Marktsektoren sind bevorzugt?

  • Verbrauchsgüter: die Kaufkraft der chinesischen Bevölkerung ist in den letzten Jahren in den Städten permanent angestiegen. Daraus ergibt sich eine ansteigende Anfrage was insbesondere die Autoindustrie, den Sektor der Telefon/Smartphon/Computer- Branche und die der Kleidung anbelangt. Es besteht Nachfrage auf international bekannte Marken oder Herkunft (beispielsweise ist das „made in Italy“ nach wie vor stark auf dem chinesischen Inlandsmarkt). Auch die Lebensmittelindustrie hat eine immer wachsende Anfrage an Qualitätsprodukten (insbesondere hat der Weinimport erheblich zugenommen);
  • Luxusprodukte: in den nächsten Jahren wird diese Branche einen Anstieg von ca. 20-30% erleben; der chinesische Endverbraucher erzielt jedoch nicht mehr diese Produktart als Status-Symbol, sondern verlangt hochwertige Qualität und Exklusivität. Dieser Bereich umfasst Kleidung, Brillen, Schuhe, Taschen und Schmuck;
  • Investitionsgüter: hier bieten sich interessante Entwicklungsmöglichkeiten für die Branchen mit hoher technologischer Spezialisierung. Die inländische Nachfrage für Werkzeugmaschinen, Präzisionsmaschinen, Automatisierung und Instrumentalmechanik ist in konstantem Anstieg;
  • Energiebereich: in diesem Bereich ist die Nachfrage ständig anwachsend, insbesondere was Erdöle und Gas, Wind- und Wasserkraft anbelangt, was auch dazu gefuehrt hat, dass die Regierung weitläufige Investition in diesem Bereich vorgenommen hat. Somit ergibt sich die Möglichkeit für ausländische Ingenieursunternehmen sich in Bezug auf Erneuerungen der Produktions- und Vertriebseinlagen in den Markt zu inserieren.
  • Umweltschutz: auch hier besteht ein wachsendes Interesse, insbesondere auf Gewässerklärungsanlagen und Entsorgung von Industrieabfällen;
  • Design und Produktentwurf: auch hier besteht großes Interesse für das Knowhow von Ländern mit größerer Erfahrung, wie beispielsweise Italien für Mode und Möbeldesign oder im Bereich Automotiv, aber auch in den Branchen des Städtebaus und des Entwurfs von Gebäuden;
  • Gesundheitssektor: hier hat die nationale Reform der letzten Jahre erhebliche Investitionen der Regierung mit sich geführt. Es werden immer mehr hoch technologische Apparate für diesen Bereich importiert und es besteht Anfrage für Erneuerung der Systeme besonders was die ländlichen Gebiete anbelangt und diesbezügliches Knowhow.